Taplejung - das kleine Bergdorf am Fuße des Kanchenjunga mit dem quirligen, bunten
Bazar, dem harten, aber trotzdem so friedlichen und beschaulichen Leben, der
Ort, der die Aktionen der Siddhartha - Hilfe für Nepal" seit Anfang an begleitet,
wird leider immer mehr zum Schauplatz der politischen Konflikte. Besuche waren
deshalb in den vergangenen zwei Jahren nicht möglich. Das Dorf selbe,r das vor
einem Jahr noch "als sicher" galt, ist inzwischen mehrmals Ort von Anschlägen
geworden. Neben der Gefahr vor Ort ist auch die Anreise nach Taplejung schwierig
geworden: der Landweg führt durch maoistisches Gebiet, der Flughafen ist nur
zu bestimmten Jahreszeiten geöffnet.Das von uns im Jahre 2001 mit einer von der
Dorfgemeinschaft gegründeten kleinen Organisation (übersetzt: "Verein zur Förderung
blinder und behinderter Menschen in Taplejung") initiierte Blindenprojekt
existiert nach wie vor und ist nicht, wie so viele andere Projekte in Nepal,
Opfer des maoistischen Konflikts geworden. In diesem Projekt stellt eine Gruppe
blinder und behinderter Menschen Kerzen und Tafelkreide her, die dann auf dem
lokalen Markt verkauft werden. In Nepal gibt es viele blinde Menschen. Als Gründe
gelten viele unbehandelte Infektionen und Unfälle sowie eine hohe Zahl an Katarakt
Fällen, die, so vermutet man, durch die Höhe hervorgerufen werden.Blinde
und behinderte Menschen müssen in Nepal leider oft unter unwürdigsten Bedingungen
leben. Als "Strafe der Götter" behandelt, unselbständig und ohne jegliche
Förderung fristen so viele Betroffene ihr Dasein.Subarna Dai, der Lehrer
der 8-köpfigen Gruppe in den ersten 6 Monaten, ist selber blind und brachte seinen
Schützlingen weit mehr bei als Kerzen zu gießen und Kreide herzustellen.Sie
lernten, dass es auch für sie möglich ist ein selbständiges und selbstbestimmtes
Leben zu führen. Die Idee einer zumindest teilweise finanziellen Unabhängigkeit
war nur ein Teil davon. Die Gruppe lernte lesen und schreiben und häusliche
Verrichtungen wie Kochen und Waschen selbständig auszuführen. Daneben konnten
sie feststellen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine und isoliert sind,
dass sie keine schlechteren Menschen, wie vorher immer behauptet wurde, sind.
Nach der Ausbildungsphase arbeitete die Gruppe selbständig. Die Vermarktung
der hergestellten Kerzen und Kreide ist durch die eingeschränkte Mobilität im
Distrikt schwierig geworden - dennoch gibt es zumindest ein kleines Einkommen.Zur
Zeit stellt die "Sewa Augenklinik" der Blindengruppe einen Arbeitsraum zur
Verfügung. Traum des lokalen "Vereins zur Förderung blinder und behinderter Menschen
in Taplejung" ist es, ein eigenes kleines Zentrum zu eröffnen, in dem es
eine Werkstatt und einen Unterrichtsraum für blinde Kinder geben kann.Sita, die
2002/2003 durch das "Zerebralparese Zentrum" (CP Center) in Kathmandu zur Betreuung
von hirngeschädigten Kindern als "homevisitor" ausgebildet wurde, könnte
dort ebenfalls einen kleinen Behandlungsraum finden. Ebenso eine weitere Person,
die im Bereich der "community based rehabilitation", der allgemeineren und therapeutischen
Betreuung von Menschen mit verschiedensten Behinderungen, in Form
von Hausbesuchen als auch in einer kleinen stationären Praxis dringend benötigt
würde.Land für ein solches Zentrum würde Dr.Yanta Mani Pradhan und der
Lions Club Kathmandu die diesen Traum mit uns und den Menschen in Taplejung teilen,
zur Verfügung stellen.Ein Traum, der Wirklichkeit werden kann?Die hauptsächliche
Schwierigkeit ist die Durchführung eines solchen Projektes in der derzeitig
so angespannten politischen Situation. Das seit Jahren geplante Projekt des
"Nepal Medical College" zusammen mit deutschen MedizinstudentInnen dringende Renovierungsarbeiten
im "District Hospital Taplejung" durchzuführen, besteht in
seiner Idee noch immer. Hierbei sollten angehende nepalesische Ärzte auf die desolate
medizinische Versorgung in den Distrikten hingewiesen werden und motiviert
werden, sich nach Abschluss ihres Studiums auch in diesen medizinisch unterversorgten
Regionen zu engagieren. Begleitend mit diesem interkulturellen Projekt
soll ein Camp mit Fachärzten des "Nepal Medical College" im "District Hospital
Taplejung" abgehalten werden.Aber auch hierfür gilt ein Abwarten auf eine sicherere
und politisch ruhigere Zeit. Text: Christina Vomhof |
