Kinderhaus Dhulikhel

Der Weg führt durch einen dunklen, etwa ein Meter hohen Hauseingang in ein baufälliges altes Haus und dort eine steile, enge Holzstiegen hinauf in das Zuhause von Anita und Ujjol (7 und 5 Jahre). Sie leben dort mit ihren Großeltern. Die beiden Alten haben die Kinder nach dem Tod der Eltern vor gut 4 Jahren aufgenommen. Ujjol war damals ein Baby, Anita ein Kleinkind. Die Behausung ist karg: ein niedriger kleiner Raum, in dem ein Erwachsener nicht aufrecht stehen kann, dient als Küche - eine Feuerstelle auf dem Lehmboden. Von dort gelangt man in einen weiteren engen Raum mit einem einzigen Bett für Kinder und Großeltern. Neben dem Bett lagert ein Berg Mais.
Das Bett ist der zentrale Punkt der "Wohnung". Es ist Schlafplatz, Spielfläche, Kleiderschrank und Schreibtisch. 
Es gibt kein fließendes Wasser, keine Heizung und kein elektrisches Licht. Das Essen ist knapp, Anita und Ujjol sind mangelernährt. Den beiden alten Menschen ist die Verantwortung, die sie tragen, anzusehen. Der Großvater kauert am Feuer, die Großmutter erzählt unter Tränen die Geschichte der Kinder.

Ortswechsel

Ratna Maya, Ratna Bahadur und Krishna haben seit vorgestern nichts mehr gegessen. Heute Morgen gab es heißes Wasser.
Die Familie der Geschwister gehört einer der untersten Kasten der Hindugesellschaft an. Ihre Eltern hatten nie die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Sie sind Analphabeten. Den Lebensunterhalt verdienen sie sich mit Gelegenheitsarbeiten und Betteln. Oft reicht es nicht für eine Mahlzeit am Tag. Das Zuhause: ein "dunkles Loch", ein Verschlag mit einem einzigen Bett und einer Feuerstelle. Auch hier gibt es weder Wasser, noch Heizung, noch Licht. Mit dem Abend herrscht Dunkelheit. Geld für eine Kerze oder Kerosinlampe gibt es nicht.

Ortswechsel            

Heute gibt es zum Abendessen im Zuhause von Binod Reis, Reis mit einer Suppe aus Hühnerfüßen und Hühnerköpfen. Binods Mutter arbeitet in einem Laden, den man als kleine "Blechbox" beschreiben kann, und schlachtet und verkauft Hühner. Ihr Lohn sind Köpfe und Füße der verkauften Tiere. Binod (5 Jahre) und sein kleiner Bruder bewohnen mit ihren Eltern ein Zimmer in einem Lehmziegelhaus in Dhulikhel.
Das Zimmer gleicht den Lebensverhältnissen der oben beschriebenen Kinder.
Ihr Vater verdient den täglichen Reis als Tagelöhner.
Binods Mutter ist seit Wochen krank. Ein Krankenversicherungssystem gibt es nicht,  und die verschiedene Krankenhausaufenthalte haben mehr als das Ersparte gekostet.            

Ortswechsel

Rojeenas Vater kommt betrunken nach Hause. Rojeena, ihre ältere Schwester und ihr jüngerer Bruder ziehen sich in die hinterste Ecke des Bettes zurück. Ihre Mutter fängt an zu weinen und zu zetern. Die Kinder haben heute noch nichts gegessen. Ihre Mutter bettelt, ihr Vater arbeitet in einem Kino im nahen Banepa und bringt von seinem Lohn nur konsumierten Alkohol nach Hause. Das Zimmer: ein Bett und eine Feuerstelle. Kein Licht.
Als Rojeenas Großvater noch lebte, war vieles besser. Er sorgte dafür, dass auch Rojeena und ihre Geschwister zu Essen bekamen, und integrierte sie in die Großfamilie. Seit seinem Tod haben sich die Brüder von Rojeenas Vater von der Familie abgewandt. Selbst erfolgreiche Geschäftsleute, verachten sie ihren Bruder als "Nichtsnutz". Es leiden die Kinder.

Ortswechsel ......

Ortswechsel ......

Ortswechsel ......

Geschichten über Kinder, die in Armut und katastrophalen familiären Bedingungen leben müssen, können endlos weitererzählt werden. Nepal gehört nach wie vor zu einem der ärmsten Länder der Welt. Die derzeitige politische und wirtschaftliche Lage führt keine Verbesserung, eher eine Verschlechterung herbei. Die Leidtragenden sind meist Kinder und Frauen.
Seit dem Anfang des Jahres bis jetzt konnten die oben skizzierten Kinder in das Schulpatenschaftsprogramm der "Siddhartha - Hilfe für Nepal" aufgenommen werden. Zum Teil gibt es konkrete Paten, die den Kindern ihren Schulbesuch sichern, zum Teil suchen wir noch nach Paten, z.B. für Anita, Ujjol und Krishna.
Ratna Maya und ihre Geschwister bekommen in der Schule ebenfalls ein Mittagessen, um wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu gewährleisten.
Trotz der derzeitigen Unterstützung bleibt die Situation der Kinder sehr schlecht. Sie leben weit unter dem nepalesischen Durchschnitt und ihre Grundbedürfnisse sind nicht einmal in Bruchstücken erfüllt.
Um den Kindern den Schritt aus dem Teufelskreis der Armut zu ermöglichen, haben wir mit Hilfe von Sharmila Basnet - Shrestha eine Unterbringung dieser Kinder in einem eigenen "Kinderhaus"organisieren können.
Dieses "Kinderhaus" ist erst einmal eine schlichte 4- Zimmer Wohnung, in der
8 Kinder, betreut von einer "Didi" und Sharmila und Indra Shrestha ein Zuhause finden konnten.
Die Kinder werden zusätzlich von einem Lehrer der Sanjiwani Englisch School bei den Hausaufgaben betreut.
An den Wochenenden finden regelmäßig kleine Ausflüge statt, zum Picknick oder in den Zoo.
Der Kontakt zu ihren Eltern, Familien oder anderen Bezugspersonen ist zu jeder Zeit gewährleistet. Aufgrund der räumlichen Nähe sind jederzeit Besuche möglich und erwünscht! 
 
Text:  Christina Vomhof